Erfahrungswerte
Eine Geschichte von der Entstehung der Idee bis hin zu den ersten Reisen.

Wie alles begann
Mit Freundschaft, Mut und einer Idee
Luca, Versicherungskaufmann aus Wiesbaden Anfang 30 und Pascal, Physikstudent in Karlsruhe Ende 20. Beide blind und seit eine halbe Ewigkeit ziemlich beste Unternehmungsfreunde. Kennengelernt habe ich die Jungs als sie Sommer 2020 bei uns in Großenbrode urlaubten. Den ersten Moment, als ich beide am unserem Strand sah, werde ich nie vergessen. Ich stand mit unserem Stationsleiter Tobias auf der Strandpromenade etwa 20 Meter vom Sandstrand entfernt, wo Luca und Pascal dabei waren eines unseres Sportkatamarans das Segel in den Mast einzuführen um einfach los zu segeln.
Das taten sie dann auch und zwar ohne Begleitung und mich ließen mit offenem Mund zurück. Tobias klärte mich prompt mit der Info auf, es sei kein Problem mit den beiden. Pascals Sehschwäche ist zwar 100% doch Luca besitzt noch 5% Sehkraft und das würde reichen, um wieder an der selben Stelle zurück zu kommen von wo aus sie gestartet waren. Logisch, daß ich auf ihrer Rückkehr nach etwa anderthalb Stunde gewartet habe. Ich liebe 5% Sehkraft. Abends am Lagerfeuer mit Kaltgetränken sind wir uns alle näher gekommen und anregende Unterhaltungen waren im Gange. Unter anderem erwähnte ich meine Begeisterung für Fernreisen und wie aus der Pistole geschossen kommentierten Luca und Pascal:“ Das machen wir auch.“ Und zählten dann nacheinander die exotischen Orte auf, die sie schon bereist hatten. Mehr als baff mit leichter Verlegenheit stammelte ich einen seichten Blödsinn zusammen:“...aber wofür Fernreisen, wenn man doch nichts sehen kann?...
Nun, dieser denkwürdige Lagerfeuerabend ist 6 Jahre her. Meine damaligen Zweifeln wurden rasch von den beiden ausgeräumt:“ Das einzige, was Blinde nicht können, ist das Sehen!“ Es ist der selbe Abend, wo ich mich entschieden habe, Menschen mit Sehschwäche das Windsurfen näher zu bringen. Das ist bis heute geblieben. Aber zunächst surfte ich nach diesem Abend erst mal im internet nach Beispiele und Anregung für Individualfernreisen für Menschen mit Sehschwäche und siehe da.....es gab.....NICHTS!!!! Sehr wenige Anbieter für Gruppenreisen. Sehr teuer weil Eins-zu- Eins-Betreuung und Organisationskosten. Einige Anbieter existierten nur noch wie ein Geisterschiff im Internet. Von individuelle Fernreisen keine Spur! Durch das Windsurfen für
Menschen mit Sehschwäche stieg die Zahl der Personen, die ich betreut habe.
Irgendwann in Sommer 2020 holte ich am Bahnsteig in Großenbrode einen blinden Masseur aus Halle an der Saale kommend ab. Für mich immer wieder ein Wunder und Wahnsinn der Orientierungskompetenz. Charly wird er von allen genannt und ist wie ich Anfang 60. Bereits auf dem Bahnsteig konnte man seine Leidenschaft für das Windsurfen sehen. Ein Blinder mit Surfbrett im Gepäck....was brauch’ ich mehr?! Später stellte sich heraus, daß ich auch noch den lustigsten Globetrotter Deutschlands kennengelernt habe. Bei Charly ist es einfacher und schneller zu fragen, wo er auf der Welt noch nicht war. Innerhalb der nächsten Jahre waren wir zusammen Windsurfen, Inline-skaten, Tandemfahren und vor allem lieben wir das Wandern. Zusätzlich brachte er mir Mobilität und Orientierung für Menschen mit Sehschwäche näher. Nach und nach hatte mich Charly zum Blindenhund „ausgebildet“. Funktioniert mittlerweile auch ohne Leckerli. Oktober 2022 passierte dann das Unvermeidliche. Für mich kam der Anruf wie aus heiterem himmel. Am andern Handy war Charly. Dieser Anruf sollte alles ins Rollen bringen. „Moin Jack, hier ist Charly, ich bin einen Klick vor einer Urlaubsbuchung für 10 Tage Teneriffa inklusive Flug entfernt. Du wolltest doch Blindenreisebegleiter werden oder?“ Total überrascht, voller Neugier und leicht verwirrt sagte ich Ja?..., was Charly vermutlich bereits erwartet hatte. Daher machte er mich darauf aufmerksam ich sei ja noch kein Blindenbegleiter und es deshalb keinen Lohn geben würde. Selbstverständlich werden alle sonst anfallende Kosten komplett von ihm übernommen. Was für ein geiles Praktikum!!!, dachte ich nur und nahm das
großzügige Angebot dankend und demütig an. In diesem „Urlaub“habe ich viel Erfahrung und Blindenskills sammeln dürfen. Die wichtigste Erkenntnis aus Teneriffa war der Verzicht auf Öffis und auf Mietwagen zu setzen. Es gibt nichts praktischeres. Inlineskates, Badetücher, Surfboards ,Spiele... praktisch das ganze Gepäck. Alles im Auto so verstauen, daß man keine „neugierige“ Menschen weckt. Teneriffa war ein voller Erfolg und hat mich total abgeholt für mein Pilotprojekt Anfang 2024. Dank dir dafür nochmal Charly.
Jetzt geht’s los – Unser Pilotprojekt in Thailand
Insgesamt 3 Monate habe ich für das Projekt eingeplant. Anfang Januar 2024 bin ich mit 2 Freunden, die keinerlei Beeinträchtigung haben nach Thailand. Meine Mutter, eine Thai, urlaubte zu der Zeit auch in Bangkok. Sie wohnte in einem Hochhausapartment, das meine Tante uns zur Verfügung gestellt hatte. Eine 3-Zimmer Wohnung, in der wir alle genügend Platz hatten. 3 Tage haben wir in Bangkok gebraucht, um unser Jetleg los zu werden. Meine 2 Kumpels und ich starteten von Bangkok aus die Rundreise, die ich einen Monat Später mit Charly und drei Wochen später mit Luca und Pascal unternehmen würde. Einfach um böse Überraschungen und Risiken mit meinen Blinden zu vermeiden. Nachdem meine 2 Kumpels nach 4 Wochen Rundreise den Rückflug angetreten haben, holte ich einige Tage später Charly vom Flughafen Bangkok ab. Charly hatte 2 Wochen gebucht. Im Gegensatz zu meinen 2 Kumpels habe ich Charly direkt mit dem Mietwagen in die Provinzhauptstadt Hua Hin 200Km südlich von Bangkok zu meinem Onkel gebracht. Dort hat mein Onkel über die Jahre nach und nach ein Paradis mit Wasserfall, See mit Brücke und
3 Gästehäuser um den See herum gebaut. Nur für Freunde und Familie ganz ohne kommerziellen Hintergrund, deshalb mußten wir auch nichts zahlen. Auf diese Art haben Charly später natürlich auch Luca und Pascal sich vom Jetlag erholt. Danach ging es nach Nordthailand Richtung Provinzhauptstadt ChiangMai. Westlich von ChiangMai,mitten in einem Dorf, das im Dschungel eingehüllt war, haben Charly und später Luca und Pascal eine 3 tätige Teilnahme am ElefantenTour inklusive ausführliche Elefantenkunde, Wanderung mit Elefanten im Flußlauf durch den Dschungel. Zum Abschluss jeden Tages baden mit Elefanten im Fluß. Bereits Wochen vor dem Urlaubsstart in Deutschland haben Charly, Luca und Pascal diesen ElefantenTour von sich aus gebucht was sich als notwendig heraus gestellt hatte, da diese Tours Wochen im Voraus ausverkauft war. Bodo Förster, ein qualifizierter Elefantenliebhaber aus Ostdeutschland, der viele Jahre davor in Afrika sehr viel Zeit den Elefanten widmete, um sie zu studieren. In Kooperation mit dem königlichen thailändischem Tierschutz eröffnete er vor einigen Jahren ein Zentrum für die artgerechte Haltung von Elefanten. Ich habe die Elefanttour 2 mal hintereinander gemacht. Man merkt jede Sekunde, daß nicht der zahlende Kunde, sondern das Tier und nur das Tier im Mittelpunkt steht und immer zuerst kommt. Nicht nur Elefanten sondern der thailändische Dschungel hat es uns alle angetan und so verließen wir unsere Elefanten stiegen in unser Auto und fuhren nach der Provinzstadt Pai, ein Hotspot für Wildwasserrafting und viele verschiedene Dschungeltouren. Pai, eine charmantes kleines Städtchen im nordwestlichen Nirgendwo inklusiver cooler Kneipen und Lifemusik zieht viele Backpacker an. Von Pai aus haben wir viele Dschungeltouren
unternommen. Wunderschöner nicht zu dichter Wald, hügelig, sehr abwechslungsreich mit unzähligen Bachüberquerungen, wobei die reißende Bäche höchstens knietief waren und die Überquerungen als willkommene Abkühlung waren. Und am Ende war fast immer ein Wasserfall zum Schwimmen. Proviant im Rucksack nicht vergessen! Nachdem das Dschungelfieber etwas nachgelassen hatte verließen wir Pai, stiegen wieder in unser Mietauto und fuhren in den Osten Richtung ChiangMai. Einen Tag davor online gebucht und etwa 50 Kilometer östlich von ChiangMai wurden wir schon vom Personal einer Ziplineanlage erwartet. Mit 32 Strecken von Baum zu Baum, hängend im Geschirr und gehalten vom Drahtseil über die Wipfeln des thailändischen Dschungel handelt es sich um einer der größten Ziplineanlage der Welt. Ich habe dem thai Personal nichts von der Sehschwäche erwähnt. Das Personal wurde vor vollendeten Tatsache gestellt und hat typisch thailändisch reagiert. „Dann brauchen wir mehr Personal“ , waren das einzige was sie darauf sagten. Genau dafür liebe ich Thailand. 2 sehr erfahrene Tourführer haben uns in ihrer Mitte genommen und der Spaß war nicht mehr aufzuhalten. Keinen Aufpreis, nur ein respektvolles Dankeschön, daß ich Menschen mit Sehschwäche mitgebracht. Gut für das Karma meinten sie. Und als Bonus gab es nach Ziplining die Roller-Coaster-Strecke. Luca und Pascal. Der Roller-Coaster war für uns alle das krasseste, was wir in dieser Richtung jemals gemacht haben. Luca und Pascal, 2 Adrenalinjunkies, die 3 Wochen Thailand gebucht haben, hatten glaube ich danach beide ein Grinsen bis zum Hinterkopf.
Spontanität und Sonderwünsche sind sehr willkommen.

Laos? Klar!
Spontanität erwünscht
Manchmal entstehen die besten Erlebnisse völlig ungeplant. Auf dem Weg in den Nordosten Thailands machten wir spontan Halt in der Provinzstadt Nong Khai – nahe der laotischen Grenze. Kaum fiel das Wort „Laos“, wollten Luca und Pascal wissen, ob wir nicht einfach kurz rüberfahren könnten. Ein Visum, ein Stempel im Reisepass – und ein weiteres kleines Abenteuer.
Keine zehn Minuten später standen wir bei fast 40 Grad Mittagshitze mitten auf dem beeindruckend großen Grenzgelände. Noch bevor wir aussteigen konnten, klopfte ein freundlicher Mann namens Dong ans Autofenster. Grenzgänger aus Leidenschaft – für uns ein echter Glücksfall. Für umgerechnet 100 Euro organisierte er alles: Visa, Stempel, Parkplatz und sogar die Fahrt über den Mekong.
Unser Mietwagen durfte zwar nicht mit nach Laos, aber wir saßen bald in Dongs klapprigem Toyota Camry und überquerten den berühmten Fluss Mekong. Schon kurze Zeit später standen wir – offiziell – in Vientiane, der Hauptstadt von Laos. Als Dong uns auf einen Park mit riesigen Buddhastatuen aufmerksam machte, googelten wir: Buddha Park – ein Skulpturgarten voller teils verspielter, teils monumentaler Statuen. Ein echter Geheimtipp!
Dort angekommen, erklärte Dong, dass er noch Gewürze für seine Frau besorgen müsse – wir sollten uns ruhig Zeit lassen, alles sei im Preis inbegriffen. Eintritt? Für uns frei. Begrüßung? Herzlich. Und wir durften – ganz ohne Einschränkungen – alle Skulpturen ertasten und erleben.
Laos hat uns überrascht, berührt und begeistert. Spontanität trifft Gastfreundschaft – und Barrieren gibt’s hier einfach nicht.


Original Thai
authentisch, intensiv, unvergesslich
Zurück in Thailand, fuhren wir Richtung Südosten nach Rayong – eine traumhafte Küstenstadt am Golf von Thailand mit endlosen Stränden und fernab der Touristenzentren. Hier begann für uns ein neuer Teil der Reise: Entspannung und echte Thai-Kultur.
Ein fester Bestandteil unseres Alltags wurde die berühmte Thai-Massage – bis zu drei Mal pro Woche. Anfangs noch skeptisch (und gelegentlich schmerzhaft), entdeckten wir bald die feinen Unterschiede: weich, mittel oder hart – und von da an war es reiner Genuss. Ein Ritual, das Körper und Seele gut tat.
Dank Google Maps – dem „besten Auge“ in unserer Gruppe – fanden wir günstige Unterkünfte (teils mit Pool und Frühstück für rund 10 € pro Person), authentische Restaurants und natürlich immer den nächsten Massagesalon. Abseits der Touristenpfade ist Thailand nicht nur schöner, sondern auch überraschend günstig.
Ein besonderes Highlight war der Besuch einer Massageschule für blinde Menschen. Charly, selbst Masseur in einem Krankenhaus in Halle, ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, Kolleg*innen mit ähnlichem Hintergrund kennenzulernen.
Für Luca und Pascal ging es noch einen Schritt weiter: In Rayong besuchten wir eine traditionelle Massageschule mit einem echten Meister – lizenzierter Spezialist für den berühmten Genick-Knack. Zuerst massierten seine Schüler, zum Abschluss übernahm er selbst – mit einem Handgriff, der martialisch wirkt, aber gekonnt, präzise und wirkungsvoll ist. Die Stunde kostete umgerechnet knapp 10 Euro – der Nacken-Knack war inklusive.
Thai-Massage ist mehr als Wellness – sie ist Kultur, Handwerk und Begegnung. Und mit dem richtigen Maß an Mut und Humor: ein echtes Erlebnis.

Zurück in Hua Hin – Abschalten, Action und Abschied
Nach fast drei Wochen on the road kehrten wir zurück nach Hua Hin – zu meinem Onkel, der uns erneut herzlich empfing. Von hier aus unternahmen wir gemeinsam mit der Familie mehrere entspannte Tagesausflüge – aber natürlich durfte auch der Nervenkitzel nicht fehlen.
Ein Highlight: Segeln mit John, einem englischen Wassersportler, der direkt am Strand eine kleine Schule betreibt. Bei bestem Wind und 28 Grad warmem Wasser lud er uns zu einer Runde auf dem Sportkatamaran ein – ein traumhafter Tag auf dem Meer.
Kurz darauf tauschten wir Segel gegen Motor – mit Jetskis direkt vor der Küste. Ich saß abwechselnd bei Luca und Pascal hinten drauf, während die beiden ordentlich Tempo machten. Adrenalin pur, nicht nur für die beiden, sondern auch für mich!
Zum Abschluss brachte ich Charly, Luca und Pascal zum Flughafen in Bangkok. Charly wurde dort von einem Betreuer in Empfang genommen. Luca und Pascal – mit ihrer bewährten Kombi aus Vertrauen, 5 % Sehkraft und 100 % Abenteuerlust – starteten gemeinsam ins nächste Kapitel.
Zurückblickend war Thailand mehr als eine Reise – es war ein Beweis dafür, dass echte Erlebnisse keine Barrieren kennen.
Schlusswort
Freiheit, Abenteuer, Freundschaft
Was du hier gelesen hast, sind nur einige unserer Highlights. Drei Wochen, rund 3.000 Kilometer, unzählige Eindrücke – und doch war die Reise nie gehetzt. Wir haben gelebt, erlebt und jede Entscheidung selbst getroffen.
Ob Bangkok, Tempeltouren, Dschungelabenteuer oder Strandtage – Charly, Luca und Pascal haben ihre Reise aktiv mitgestaltet. Jeder Tag war anders, jeder Ort ein neues Kapitel. Wir haben selten zweimal im selben Bett geschlafen – und genau das war das Abenteuer: die Freiheit, unterwegs zu sein, ohne Hektik, ohne Grenzen.
Google Maps und Thailands moderne Infrastruktur haben uns dabei zuverlässig begleitet. 5G war fast überall verfügbar, die Straßen boten mit ihren Garküchen, Obstständen und kleinen Handwerksläden nicht nur Pausen, sondern echte Erlebnisse.
Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit? Gemütliche 90 km/h. Kein Stress, dafür jede Menge Zeit zum Staunen, Genießen, Anhalten – wo und wann wir wollten. Raststätten waren sauber, das Essen lecker, die Menschen überall freundlich, hilfsbereit und herzlich.
Ob in Museen, Nationalparks oder Tempelanlagen – niemals fühlten wir uns als „besondere“ Gäste. Eher als willkommene.
Danke, Thailand.
Und für alle, die jetzt neugierig geworden sind: Gestalte deinen Urlaub vom ersten bis zum letzten Tag selbst – mit uns. Es muss nicht Thailand sein. Ob Windsurfen am Meer, Wandern im Gebirge oder Ziplining durch fremde Wälder:
Wir begleiten euch – aktiv, individuell und mit offenen Augen.
